vortrag
otmar hoefer
„sabon und das typografische umfeld im wandel der zeiten – eine kleine zusammenfassung der ereignisse die in 50 jahren schriftschaffen geschehen sind”


datum_donnerstag, 20. september 2018
zeit_19:00 uhr

ort_hauptbücherei wien
urban-loritz-platz 2a, 1070 wien


was anfangs im blei die manuelle herstellung von einzelnen prägestempeln in den individuellen schriftgraden erforderte, ist schon mit dem aufkommen des fotosatzes durch die stufenlos veränderbaren schriftgrößen in der fotosetzmaschine auf einen filmmaster zusammen geschrumpft. dieser technologieschritt hat ein enormes wachstum an neuen schriften gebracht. die firma itc war damals voll in diesem trend.

mit dem aufkommen des apple mac, der seitenbeschreibungssprache postscript von adobe und der dtp software von aldus wurden auf einmal neue wege offen, die es sogar einem laien leicht machten eine drucksache selbst zu erstellen. durch die allianz von adobe und linotype bringen beide mit der gemeinsam entwickelten postscript bibliothek alle schriftenklassiker wie die sabon auf diesen markt. auch neue schriftentwicklungen werden veröffentlicht und setzen sich in dem markt recht schnell durch.

bald erschienen die ersten schriftherstellungs-programme wie letraset studio, ikarus, fontographer, und fontlab, sie ermöglichten es auf recht einfache art selbst neue schriften herzustellen. das führte zu einer schwemme an neuen schriften. institute wie die kabk in den haag und die university of reading bieten kurse in denen interessierte schriftentwerfer das professionelle herstellen von guten schriften erlernen.


otmar hoefer wuchs als sohn des schriftlehrers und kalligraphs karlgeorg hoefer in einem haus auf, wo ihn schrift schon in kindheitstagen umgeben und interessiert hat. mit 16 absolvierte er eine lehre als schriftsetzer in der offenbacher layoutsetzerei pissoke und arbeitete während dieser zeit schon mit der sabon im setzkasten.

nach dem studium an der stuttgarter ingenieurschule, heute hdm, zum wirtschaftsingenieur der drucktechnik, begeisterte ihn ein praktikum bei der d. stempel ag, das er während des studiums in den semesterferien absolvierte, für die arbeit in dieser schriftgießerei, sodass er dort 1978 als projektmanager für ein titelsetzgerät „stempel typomatic” anfing. sein weiterer werdegang entwickelte sich dann mit der eigenständigen entwicklung der herstellung von „low-resolution”-fonts für 300 dpi laserdrucker, sowie der entwicklung und herstellung von bildschirmschriften für tv-schriftgeneratoren. zwischenzeitlich war er auch projektleiter der markteinführung der neuen helvetica.

mit dem aufkommen der postscript technologie 1985 bekam die d. stempel ag auch die original-produktionstools von adobe um die schriften in das postscript-format umzusetzen. hoefers aufgabe war dann die vermarktung und der vertrieb der postscript-schriften über diverse kanäle in europa. mit der übernahme der d. stempel ag in die linotype 1986 wurde er leiter des schriftenmarketing und damit für die vermarktung aller digitaler schriften aus dem hause linotype in europa verantwortlich. seine aufgabe war auch der ausbau des schriftenrepertoires um weitere neuerscheinungen.

1996 wurde die linotype library gmbh als eigenständiges unternehmen der heidelberger druckmaschinen gegründet und hoefer hatte weiterhin die verantwortung über die bewerbung der schriften und die selektion der neuentwicklungen. in dieser zeit entstanden die platinum schriften wie zum beispiel die univers next und die sabon next.

2006 wurde die linotype gmbh von monotype gekauft und hoefer wurde direktor für type and library management. die aufgabe bestand nicht nur aus der bewerbung der schriften, sondern auch die integration des produktportfolios aller monotype fonts und die der drittanbieter sowie die verwaltung aller schriften auf dem firmeninternen datenbanksystem mit dem unter anderem die verschiedenen webshops und vertriebskanäle gesteuert wurden.

2016 verließ hoefer aus gesundheitlichen gründen seiner frau das unternehmen und ist rentner. unvermindert engagiert er sich im klingspor museum, das mittlerweile im internet fast 8000 schriftdesignerInnen präsentiert.


der vortrag bezieht sich auf die ausstellung „tschichold in st.gallen” die im september und oktober galerie in der rahmenhandlung wohlleb & wohlleb zu sehen ist.

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